Internationales Literaturfestival
Erich Fried Tage

6. bis 11. 10. 2015

Literaturhaus Wien

 

 



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Sonntag, 11. Oktober 2015
11:00 Uhr

»Dorothee Elmigers Werke lassen sich nicht zusammenfassen. Man muss sie lesen.«

Erich Fried Preis 2015 | Preisverleihung


Die Schweizer Autorin Dorothee Elmiger erhält den mit 15.000 Euro dotierten Erich Fried Preis 2015 – das hat der in diesem Jahr zum alleinigen Juror ernannte Autor Reto Hänny entschieden. Der vom Bund gestiftete Erich Fried Preis zählt zu den höchst dotierten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum und wird seit 1990 von der Internationalen Erich Fried Gesellschaft an Schreibende, zumeist jüngerer Jahrgänge, für herausragende literarische Leistungen vergeben.

Begrüßung: Robert Huez (Literaturhaus Wien)
Zu den Erich Fried Tagen: Anne Zauner (Festivalkuratorin)

Vorstellung Juror: Beatrice von Matt (Erich Fried Gesellschaft)
Laudatio: Reto Hänny

Grußworte: Christoph Bubb (Botschafter der Schweizerischen Eidgenossenschaft)
Preisverleihung: Josef Ostermayer (Bundesminister für Kunst und Kultur)

Lesung: Dorothee Elmiger

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Aus der Jurybegründung von Reto Hänny:
»Dorothee Elmiger gelingt es, die brennenden Zeitfragen in eine poetische Prosa umzusetzen, die einen in der literarischen Welt neuen, unerhörten Klang anschlägt. Ihre Bücher sind hochpolitisch, aber sie predigen nicht, sondern eröffnen mit einem Sturm nie zuvor gesehener Bilder Räume und überschreiten Grenzen, ohne ihr Geheimnis zu verraten. Abgründig, verstörend, widerspenstig, witzig, frech, trotzig – mit all diesen Adjektiven ist Elmigers perfekt durchgestalteten Sprachpartituren, in denen sich die Sphären der Politik und der Poesie funkelnd überlagern, nicht beizukommen, auch wenn jedes einzelne ihre Poèmes en prose charakterisiert. Unverfroren und eigensinnig erschließt sie uns in einer gewollt artifiziellen Sprache, die das vermeintlich Vertraute bis zur Kenntlichkeit geschärft fremd erscheinen lässt und nicht vorgibt, Realität zu simulieren, die Havarie einer Welt, in der Natur und Menschen als Abfall des Fortschritts auf der Strecke bleiben. Ihre Bücher zeichnen sich vor allem durch eines aus: den unverwechselbar eigenständigen Ton, der sie – nicht nur ästhetisch – heraushebt aus der literarischen Saisonware der immer gleichen Mehrgenerationenromane und der gradlinig nacherzählten 'Schlimme-Gewalt-in-der-Jugend-mit-bösen-Folgen-Geschichten' und was uns der Betrieb an nach bewährtem Literaturpreismuster Gestricktem noch beschert

Dorothee Elmiger, geboren 1985 in Wetzikon/Schweiz, studierte in Zürich und Berlin Philosophie und Politikwissenschaft sowie Literatur am Schweizerischen Literaturinstitut Biel und in Leipzig. 2009 war sie Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses. Ihr erster Roman Einladung an die Waghalsigen (2010) wurde u. a. gleich mit zwei renommierten Debütpreisen – dem aspekte-Preis und dem Rauriser Literaturpreis – ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Für ihren zweiten Roman Schlafgänger (2014) erhielt Dorothee Elmiger den Schweizer Literaturpreis 2015.